Erlebnisreiche Polenfahrt des Partnerschaftvereins im Mai 2008



Erstmalig fuhr die neu gekürte „Weiße Dame" in einem Festzug mit Pauken und Trompeten in einer Kutsche zusammen mit Bürgermeister Lechnerowski durch den Ort bis zum Schloß, wo ihr vor der herrschaftlichen Kulisse vom Stadtoberhaupt der „goldene Schlüssel" der Stadt überreicht wurde, auf dass sie während der Festtage ihre milde Herrschaft ausübe. Für die Delegation aus Königstein waren Pferdewagen bereitgestellt, und sie wurde von der Bevölkerung während des Umzugs herzlich willkommen geheißen. In bewusster Anlehnung an das Königsteiner Burgfest wurde das Stadtfest in Kórnik programmatisch neu gestaltet. Im Beisein von Bürgermeister Helm überbrachte das Königsteiner Burgfräulein Bettina II., begleitet von Junker Dominik, die Grüße der Stadt Königstein. Dass sie ihr Grußwort in polnischer Sprache begann, wurde begeistert aufgenommen. Anschließend erhielten die Teilnehmer am Europa-Jugendwettbewerb der Stadt Königstein aus den Händen der beiden Bürgermeister der Städtepartnerschaft ihre Preise und Urkunden ausgehändigt.
Mit der Teilnahme an dem jährlichen Stadtfest in Kórnik begann die diesjährige Polenreise des Partnerschaftsvereins. Auf dem Programm gab es Volkstänze aus der Region Wielkopolska und Reitervorführungen auf dem Festplatz vor dem Schloß. Daneben präsentierten verschiede Gruppen ein lautstarkes Popkonzert inmitten von Ständen, die für das leibliche Wohl sorgten und mancherlei bunte Angebote feilboten. Abends fand ein großes Feuerwerk statt und am Ende beschloß ein abwechslungsreiches Konzert in der Kirche das Festprogramm.
Die Königsteiner Reisegruppe wurde von Bürgermeister Lechnerowski im Schloß offiziell begrüßt und traf sich mit den Mitgliedern des neu gegründeten Partnerschaftsvereins in Kórnik, in dem sich auch viele Jugendliche engagieren. Ein Gegenbesuch zum Burgfest setzt die bereits intensiven Kontakte fort.
Im Anschluß an den Aufenthalt in der polnischen Partnerstadt ging die Reise unter der sachkundigen Leitung von Dr. Philipp Wiesehöfer weiter nach Lodz, dem früheren Textilzentrum Polens. Hier wurden die alten riesigen Manufakturanlagen besichtigt, die heute als Kunst- und Kulturzentren oder als Wohnanlagen umgestaltet werden. Dasselbe gilt für die prächtigen Villen der früheren Textilbarone. Auch wenn die Stadt nach dem Zweiten Weltkrieg und der folgenden kommunistischen Herrschaft noch viel aufzuarbeiten hat, befindet sie sich doch in einem wirtschaftlichen Auf- und Umbruch. Berühmt ist ihre Film- und Theaterhochschule, aus der bereits viele internationale berühmte Regisseure hervorgegangen sind.
Über Lublin, der altertümlichen Grenzstadt, in der die katholische Universität seit 1919 beheimatet ist und vor deren Mauern das Vernichtungslager Majdanek heute als Gedenkstätte gelegen ist, führte die Reise weiter in die Hauptstadt Warschau. Diese zeigt sich heute als eine europäische Metropole, die gleichwohl in der wieder hergestellten Altstadt ihren historischen Charme bewahrt hat. Am Denkmal des jüdischen Ghettos, in den Resten des Pawiak Gefängnissen sowie am Denkmal des Warschauer Aufstandes kamen die Schrecken des vergangenen Krieges noch einmal in Erinnerung. Andererseits zeugen das wieder aufgebaute Königsschloß und der großartige Lazienski-Park mit Chopin-Denkmal und herrschaftlichen Palästen vom Lebenswillen und auch vom historisch- kulturellen Bewusstsein des polnischen Volkes.
Nach einem Besuch in der Sommerresidenz der polnischen Könige „Wilanow" (villa nova) trat die Gruppe mit vielen nachhaltigen Eindrücken und vor allem mit einem positiven Bild von unserem Nachbarn Polen die Heimreise an.