Bericht über die Studienreise vom 19. – 27.05.2007 nach Polen


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1.  An der Studienfahrt nahmen 29 Mitglieder und Gäste des Vereins teil. Die Reise diente vor allem der Vertiefung der Kenntnisse über unser Nachbarland Polen und führte die Gruppe über Stettin und Kolberg und die Kaschubei nach Danzig und von dort über Elbing zur Marienburg, nach Frauenburg und Allenstein. In Masuren standen ausserdem so unterschiedliche Ziele wie Rastenburg mit der Wolfsschanze, die Wallfahrtskirche Heiligelinde und die Seenplatte um Nikolaiken auf dem Programm, bevor es dann über Osterode, Thorn, Gnesen und Posen nach Kórnik ging, wo die Gruppe am Fest der Weissen Dame teilnahm. Die Anreise nach Stettin und die Rückreise von Posen erfolgten per Bahn; die Rundreise in Polen wurde per Bus durchgeführt.

 

2.  Nach Ankunft in Stettin am frühen Samstag Nachmittag machte sich die Gruppe unter Leitung einer versierten Führerin auf den Weg, um die Altstadt, das hoch über der Oder gelegene Schloss der pommerschen Fürsten und die Kathedrale zu erkunden. Nach Danzig ist Stettin heute Polens wichtigster Hafen. Vom alten Stettin haben zwar nur wenige Bauten den Weltkrieg überlebt, aber der seit einigen Jahren betriebene Wiederaufbau lässt die frühere Schönheit der Stadt erahnen. Die anschließende Stadtrundfahrt führte an den wichtigsten Denkmälern, Kirchen, Stadttoren, Parks und Villenanlagen vorbei und endete an den Hakenterrassen, von denen man einen wunderschönen Blick auf die Stadt und den Hafen hat.

 

3.  Am Sonntag früh ging es dann parallel zur Ostseeküste weiter in Richtung Danzig mit einem kurzen Stop in Kolberg, einem Seebad und Kurort an der Ostsee, der durch die Verteidigung durch Gneisenau gegen die Franzosen bekannt wurde; im Krieg stark zerstört wird neuerdings die Kurzone restauriert, während man in den Aussenbezirken weiterhin trost- und gesichtslose Plattenbauten findet.

 

Die Weiterfahrt nach Danzig führte hinter Stolp ab Lebork durch die hügelige Landschaft der Kaschubei mit der Hauptstadt Karthaus (Kartuzy), einer ursprünglichen Klostergründung der Kar-thäuser, die neben der Kirche mit ihrem sargdeckelähnlichen Dach ein sehenswertes Museum über die kaschubische Volkskunst aufweist. Aufgrund des Umweges über Kolberg war das Museum bei der Ankunft schon geschlossen. So blieb es bei der Besichtigung der historischen landwirtschaftlichen Geräte im Freibereich des Museums, bevor es nach Danzig weiterging.

 

4.  Danzig (Gdansk) in wenigen Sätzen beschreiben zu wollen, ist ein hoffnungsloses Unterfangen. Diese alte Hansestadt mit ca. o,5 Mio. Einwohnern ist nicht nur Polens Haupthafen sondern auch ein Ziel von Touristen aus aller Welt. Im Krieg stark zerstört, wurde der Stadtkern liebevoll restauriert und lädt mit seinen Plätzen und Gassen an der Mottlau bzw. hinter dem Krantor zum Bummeln, Shoppen und Speisen ein. Für Schmuckliebhaber: Danzig ist ein Hauptumschlag-platz für Bernstein. Zur Geschichte und Kultur der Stadt kann nur auf die einschlägigen Führer hingewiesen werden, mit einem eindeutigen Fazit: Danzig ist mehr als eine Reise wert.

 

Dass der 2. Weltkrieg durch Beschuss der Westerplatte an der Weichselmündung in Danzig begann, kann als bekannt vorausgesetzt werden. Auch als Heimat von Günther Grass ist Danzig bekannt. Hier begann mit den Unruhen von 1970 und dem berühmten Werftarbeiterstreik von 1980 aber auch die Gründung der Gewerkschaft Silidarnosc und die Auflösung des kommunistischen Blocks.

 

Danzig ist heute mit Soppot und Gdingen durch eine wunderschöne Strandpromenade verbunden und lockt mittlerweile als Kur- und Badeort Touristen aus aller Welt, vor allem aber aus Skandinavien und der Bundesrepublik an. Sie Strände und Molen sind gegen die raue See durch die Halbinsel Hela geschützt.

 

5.  Voller Eindrücke ging es dann Dienstag von Danzig nach Süden mit einem ersten Stop in Malbork, besser bekannt als die Marienburg des Deutschritterordens, der ab 1225 die Geschichte der Region prägte, bevor er 1410 in der Schlacht von Tannenberg von den vereinigten litauisch-polnischen Streitkräften besiegt wurde. Dieser Sieg läutete das Ende des Ordensstaates ein.

 

Die Burg wurde erst nach Kriegsende von den Russen zerstört aber inzwischen von den Polen weitgehend wieder aufgebaut. Sie stellt ein kulturelles Zentrum dar und zieht mit ihren sommerlichen Ritterspielen Touristen aus aller Welt an. Die Restaurierungen sind zwar noch nicht abgeschlossen, aber auch so hinterlässt die riesige Anlage bei den Besuchern bleibende Eindrücke. Auch heute noch wirkt der mächtige Bau aus der Ferne wie eine unbezwingbare Bastion.

 

Vorbei an Elblag (Elbing) ging es dann in nordöstliche Richtung nach Frauenburg (Frombork), das nur etwa 20 km von der Grenze zur russischen Enklave Königsberg liegt. Schon allein die Lage am kurischen Haff ist einen Besuch wert; bekannt ist Frauenburg aber vor allem durch den Astronomen Nikolaus Kopernikus, der hier mehrere Jahre wirkte.

 

Für Königsteiner ist Frauenburg aber noch aus einem anderen Grunde interessant: der Dom war Amtssitz von Bischof Kaller, bis er unter Mithilfe von Mitbrüdern vertrieben wurde, nach Königstein kam, 1947 in Frankfurt verstarb aber in Königstein beerdigt wurde. Vor einigen Jahren noch undenkbar, steht heute im Dom zu Frauenburg eine Büste und Gedenktafel, die an das Wirken von Bischof Kaller erinnert.

 

Auf der Weiterfahrt nach Allenstein (Olsztyn), wo Kopernikus ebenfalls jahrelang wirkte, gewinnt die Gruppe einen ersten Eindruck von der Weite des früheren Ostpreußen und der masurischen Seenlandschaft. Der sommerliche Abend sieht dann einen Teil der Gruppe beim Bummel in der Allensteiner Altstadt mit ihren ansprechenden Restaurants.

 

6.  Die beiden nächsten Tage dienten dem näheren Kennenlernen der masurischen Seen und ihrer wichtigsten Plätze. Nordöstlich von Allenstein bzw. Bischofsburg liegt Heiligelinde, eine wunderschöne Barock- und Wallfahrtskirche, deren Orgel stündlich die vielen Besucher verzaubert und das nicht nur durch ihren Klang, sondern auch durch die Bewegungen der Figuren des Orgelprospekts zur gespielten Musik. Die Kirche mit ihrer Ausstattung hält jedem Vergleich mit ähnlichen Kirchen (wie etwa Vierzehnheiligen) stand.

 

Wenige Kilometer weiter östlich in dieser idyllischen Landschaft liegt Rastenburg und in dessen Nähe in einem Birkenwald die berüchtigte Wolfsschanze bzw. das was Hitlers Truppen davon übrig gelassen haben: beim Anrücken der Roten Armee sprengten die deutschen Truppen die riesige Anlage mit den Bunkern, die von 1940 bis Kriegsende Hitlers Befehlszentrale und hauptsächlicher Aufenthaltsort waren.

 

Masuren, Land der 1.000 Seen, wo man sich erholen kann, die Menschen noch nicht von der Hektik der Industriegesellschaft angesteckt sind, bilden ein Paradies für Radfahrer, Paddler, Segler und sonstige Ruhe suchende Urlauber. Viele der Seen sind untereinander verbunden und laden zu einer Schiffstour ein. Nach den Eindrücken der letzten Tage genoss die Gruppe eine kleine Bootstour von Ruciane nach Nikolaiken, um die Seele baumeln zu lassen und an Siegfried Lenz und sein Sulaiken zu denken. Die Menschen dieser sind freundlich und hilfsbereit; es gibt kaum Verständigungsprobleme, da viele Bewohner noch/wieder Deutsch sprechen.

 

Den letzten Abend in Allenstein verbrachte ein Großteil der Gruppe nach Erkundung der Altstadt und des Doms in einem gemütlichen Restaurant in der Nähe der Burg und hoch über der Alle.

 

7.  Am Freitag ging es dann westwärts über Osterode zunächst nach Thorn an der Weichsel, der Geburtsstadt von Nikolaus Kopernikus. Der kurze Halt zeigte, dass auch hier die Restauratoren gute Arbeit geleistet haben: die Altstadt und der Markt mit seinen Patrizierhäusern laden zu einem längeren Besuch ein.

 

 Weiter ging es nach Gnesen, in dessen Kathedrale der heilige Adalbert begraben liegt, der im 10. Jahrhundert von Gnesen aus Missionierungsversuche unter den Pruzzen betrieb, die er mit dem Leben bezahlen musste. Hauptsehenswürdigkeit der Kathedrale ist der silberne Schrein im Chor mit den Gebeinen des Heiligen sowie das Bronzeportal aus dem 12. Jahrhundert mit 18 Darstellungen aus dem Leben Adalberts.

 

Aufgrund der vielen Straßenbauarbeiten sind Auto- bzw. Busfahrten in Polen ein Geduldsspiel. So gestaltete sich die Weiterfahrt nach Posen langwieriger, als die Entfernung es vermuten lässt. Trotzdem kam die Gruppe rechtzeitig am Bahnhof Posen an, um das Königsteiner Burgfräulein und ihre Begleitung aufzunehmen und gemeinsam die Fahrt nach Kórnik fortzusetzen, wo auch bereits Herr Bürgermeister Helm eingetroffen war.

 

8.  In Kórnik traf die Gruppe rechtzeitig zur Eröffnung des Festes der Weissen Dame ein, an der das Burgfräulein und ihre Hofdame sofort teilnahmen. Das Fest fand dieses Jahr vor dem Kórniker Schloss statt, das aus diesem Anlass und zur Verärgerung einiger Mitreisender für Besichtigungen nicht zugänglich war.

 

Die Weisse Dame und das Königsteiner Burgfräulein harmonierten prächtig zumal es wegen der Sprachkenntnisse der Hofdame (gebürtige Oppelnerin) keine Verständigungsprobleme gab. Der Kórniker Bürgermeister, Herr Lechnerowski, seine Parlamentarier und sein Personal bemühten sich aufmerksam um die Besucher aus Königstein, die sich ihrerseits gut amüsierten und die Festatmosphäre genossen. Die Kórniker Bevölkerung war von ihrer Weissen Dame und dem Besuch des Königsteiner Burgfräuleins sichtlich angetan.

 

Samstag unternahm die Gruppe den obligatorischen Posen-Besuch, da viele Teilnehmer die Stadt noch nicht kannten. Der Dom und dann die Altstadt beeindruckten die Besucher. Interessant war auch der Besuch im Westinstitut mit Vortrag von Prof. Budnikowski über die aktuelle Situation in Polen und deren Auswirkungen auf das deutsch-polnische Verhältnis, die die Besucher und der Vortragende in der anschließenden Diskussion durchaus unterschiedlich beurteilten.

 

Nach dem Mittagessen im Restaurant der Weissen Dame in Kórnik besuchten die Reisenden das Arboretum am Schloss, während sich der Vorstand und BM Helm zu einem Arbeitsgespräch mit BM Lechnerowski und seinen Mitarbeitern zusammensetzten, um das Programm der nächsten Monate zu besprechen.

 

9.  Den letzten Abend beschloss die Gruppe dann mit einem netten Beisammensein bei Bier, Saft und Wodka am See in Blazejewko. Am Pfingstsonntag hieß es dann früh Abschied nehmen. BM Lechnerowski ließ es sich nicht nehmen, die Gruppe persönlich zu verabschieden und BM Helm selbst zum Flugplatz zu bringen. Die Gruppe fuhr per Bus zum Bahnhof Posen und trat von dort die Rückreise nach Königstein an, wo sie wohlbehalten gegen 19.30 Uhr ankam.

 

Fazit:      Schon auf den ersten Reisen nach Kórnik bzw. 2006 auch nach Südpolen konnten die Vereinsmitglieder die Schönheiten unseres Nachbarlandes kennenlernen. Von der diesjährigen Reise lässt sich feststellen, dass Danzig und Thorn zeitlich zu kurz geraten waren und wie die Masuren etwas mehr Zeit verdient hätten, denn sie sind mehr als eine Reise wert, und die hohe Politik sollte die Bevölkerung beider Länder und Städte nicht von engeren gegenseitigen Kontakten abhalten.

 

 

 

Königstein, den 26.06.2007

 

 

 

 

 

Deutsche Teilnehmer:Herr von Bernuth und Frau, Herr Dr. Boese und Frau, Herr Brunken, Frau Buck, Herr Drescher und Frau, Herr Fritz, Herr Dr. Häfner und Frau, Herr BM Helm (nur Kornik), Herr Dr. Hildebrandt und Frau, Herr Kleinert, Herr Dr. Leist und Frau, Herr Meicherczyk (BE) und Frau, Frau Metz und Tochter (Burgfräulein) und Begleiterin (nur Kórnik), Herr Reimer und Frau (nur Kórnik), Herr Reuter und Frau (ab Allenstein), Frau Dr. Schlegel, Herr Schwope und Frau, Herr Vollmer und Frau, Herr Dr. Wiesehöfer, Frau Wrede

 

Partner Kórnik:           Herr BM Lechnerowski, Herr Urbanek (stellv. BM), Frau Kaczmarek (Parlamentspräsidentin), Herr Hinc, Frau Matelska, Frau Liebers, Halina Kalisz (Rektorin), Anna Lewicka (Lehrerin/Dolmetscherin)           


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